Antifaschismus ist “peinlich”- Ein Beispiel für die Stigmatisierung linker Politik


In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober wurde im bisher vorallem durch Bischof Teebarz van Elst bekannten beschaulichen Kleinstädtchen Limburg an der Lahn ein 55-jähriger Mann aus Ruanda in einem Obdachlosenheim getötet.

Die Polizei geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. (Der Spruch “Es gibt kein ruhiges Hinterland” kommt einem da zwangsläufig in den Sinn..)

Überregionale antifaschistische Gedenkdemonstration als Reaktion
Daraufhin fand vergangenen Sonntag eine Demonstration mit ca 150-200 Teilnehmer*innen statt, die vor allem von außerhalb angereist waren- Limburg selbst hat leider keine nennenswerte aktive antifaschistische Szene und vor allem keine diesbezügliche Organisationsstruktur.
Allerdings waren die Teilnehmenden selbst überrascht, dass vonseiten der Zuschauer*innen mehrmals positive Kommentare und Zuspruch für diese Demo kamen. Gleichzeitig wird dadurch deutlich, wie notwendig es war, auch in Limburg antifaschistisch präsent zu sein und sich nicht nur auf die Städte zu konzentrieren.

Einseitiger Zeitungsbericht voller Vorurteile
Die investigativ höchst kompetente Naussauische neueste Presse dagegen beginnt ihren Artikel über die absolut friedlich verlaufene Demonstration mit den Worten “Die Demonstration war fragwürdig, verlief peinlich, blieb aber immerhin friedlich.”

Peinlich wegen der mangelnden Ortskunde, da auch die Anmelder*innen selbst nicht aus Limburg stammen, fragwürdig, da es ja noch nicht bewiesen sei, dass der Mann tatsächlich aus rassistischen Motiven getötet worden sei- und das Erstaunen über den friedlichen Verlauf scheint der Erwartung der Journalist*innen, dass nicht alle linksaktiven Menschen primitive Krawallfans sind, nicht gerecht zu werden.

Antifaschismus als nervige Randerscheinung ohne Existenzberechtigung?
Laut O-Ton dieser Zeitung hatte also die Demonstration keine Berechtigung, weil der Mord nicht sicher rassistisch motiviert war. Zudem sollen sich auswärtige Menschen nicht in Limburger Angelegenheiten mischen, weil sie ja sowieso keine Ahnung haben. Antifaschismus soll also erst dann toleriert werden, wenn jemand gewaltsam durch Rassismus zu Tode gekommen ist? Latenter Rassismus, Ausgrenzungen, Diskriminierungen jeder Art, die entwürdigenden Blicke, mit denen wohnungslose Menschen viel zu häufig bedacht werden, rechte Jugendgruppen in Jugendzentren der Umgebung, bekannte Neonazis, die in die Region ziehen, sich dort niederlassen und rechte Versandhandel betreiben- alles Dinge, die nach Meinung dieses Artikels absolut normal sind und auch totgeschwiegen werden können? Scheinbar ja.

Eine Gesellschaft, die wegschaut, toleriert Rassismus.

Wenn aber antifaschistischer, antidiskriminierender Arbeit eine so klare Absage erteilt wird, sie ins Lächerliche gezogen und mit stumpfen Vorurteilen versehen wird, entsteht ein gesellschaftliches Klima, in dem Rassismus wunderbar wachsen und gedeihen kann, er wird ja von keiner Seite eingedämmt. Und so kann es dann zu solchen Morden kommen. Rassistisch motivierte Straftaten entstehen nicht einfach isoliert. Sie entspringen häufig genug der Mitte einer Gesellschaft, die Rassismus fördert und erleichtert, in dem sie antifaschistische Arbeit denunziert, bei rassistischen Aussagen und Diskriminierung wegschaut und jegliche Existenz rassistischen Gedankengutes verleugnet.

Wo ein rassistischer Mord passiert, trägt immer auch die Gesellschaft die Verantwortung, die dies zugelassen hat.

Dieser Beitrag erschien zuerst hier.

das * hinter männlich konnotierten Wörtern nd vor dem weiblichen Zusatz nutze ich, um damit auch Menschen einzuschließen, die sich explizit nicht in das männlich-weibliche Rollenschema einordnen können oder wollen.


Laila Riedmiller

Über Laila Riedmiller

Immer mehr Menschen leben vegetarisch oder schränken zumindest ihren Fleischkonsum ein, sie kaufen regional ein und fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das reicht vielleicht noch nicht aus,um das Klima zu retten, doch es ist ein wichtiger Schritt. Je mehr ökologisches Handeln ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, umso eher kann es auch im Bewusstsein der Gesellschaft verankert werden. Ich lebe und studiere in Bonn.

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