Stiftung FIRMM: Eine kurze Geschichte über Idealismus


Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – So abgedroschen könnte man die Geschichte und Entstehung der Stiftung FIRMM zusammenfassen. FIRMM steht für Foundation for Information and Research on Marine Mammals (Stiftung für Bildung und Forschung über Wale und Delfine) und ist das Kind der Schweizerin Katharina Heyer, die in ihrem früheren Leben als Modedesignerin auf der ganzen Welt unterwegs gewesen ist. Mittlerweile lebt sie seit 15 Jahren in Tarifa an der Südspitze Europas im spanischen Andalusien und arbeitet mehrere Monate im Jahr am dortigen FIRMM-Standort. Diese Stiftung verfolgt eindeutig mehrdimensionale und große Ziele.

Es geht um Forschung: Welche Wale und Delfine leben in der Straße von Gibraltar? Wie kommen sie mit dem unglaublich hohen Schiffsaufkommen klar? Wohin wandern sie und warum?
Es geht um Umweltbildung: Den Menschen die Meeressäuger näher zu bringen, ist besonders zur Hochsaison ein extrem zeitintensiver Schwerpunkt. Getreu dem Motto „Nur was man kennt, das schützt man“.
Es geht um Schutz: Durch öffentlichen Druck und die Arbeit hinter den Kulissen konnten schon einiges erreicht werden. So wurde der Bauplan einer Hafenanlage in Marokko geändert und mittlerweile gibt es immerhin EU-Empfehlungen für nachhaltiges Whale Watching.

Als ausländische Frau war es für Katharina Heyer in Südspanien ein sehr beschwerlicher Weg, ihre Idee einer Stiftung zum Schutz der Meeressäuger in der Straße von Gibraltar zu verwirklichen. Die metaphorischen Knüppel in ihren Speichen reichten von Denunziationen bis zu kleineren Diebstählen und größeren Sachbeschädigungen. Die Mühlen der Bürokratie taten ihr Übriges. Doch mit einer unerschütterlich riesigen Portion Idealismus, viel Geduld und auch enormer Unterstützung von einigen Seiten hat sie FIRMM zu einer wichtigen Institution in der europäischen Walforschung aufgebaut. In Tarifa, dem ehemaligen Fischerstädtchen, über dem eindrucksvoll die maurische Festungsanlage thront,  ist das organisierte Beobachten von Walen zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. FIRMM, Katharina und ihre Unterstützer_innen kämpfen jetzt für eine eindeutige Gesetzeslage, die beispielsweise einen Mindestabstand beim Beobachten regelt.

Und auch wenn sich bei FIRMM alle im Klaren darüber sind, dass sie ebenfalls die Tiere dem Druck durch die Menschen aussetzen, geschieht doch hier alles in einem akzeptablen und möglichst nachhaltigen Rahmen, daher meine ausdrückliche Empfehlung:
Wer mal in Andalusien weilt und sich den stetigen Wind in der Meerenge um die Nase pusten lässt, sollte die Gelegenheit auf keinen Fall verpassen und sich einen Trip auf einem der FIRMM-Boote gönnen. Delfine und mit ein bisschen Glück auch große Wale im offenen Meer zu erleben, ist ein besonderes und sehr beeindruckendes Erlebnis!

Mehr im Internet auf www.firmm.org

Orcas ©firmm

Fotos: © MT, © FIRMM


Manuel Tacke

Über Manuel Tacke

Auf der einen Seite bin ich seit Langem auf verschiedensten Ebenen im Natur- und Umweltschutz aktiv, andererseits liegt mein Augenmerk als Kulturwissenschaftler natürlich auch auf den Menschen und der Gesellschaft. Ich glaube, dass sich nur im transdisziplinären Zusammenspiel beider Perspektiven aktuelle Probleme erfassen und beheben sowie zukunftsfähige Visionen entwickeln lassen.

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