Nachhaltig sterben – Die Ökobestattung


Viele Menschen haben heute den Anspruch, ihr Leben ökologisch verträglich zu organisieren. Sie recyceln, fahren viel Fahrrad, konsumieren Bio-Produkte oder pflanzen Bäume, um die eigene CO2-Bilanz zu verbessern. Es gibt viele Möglichkeiten sein Leben nachhaltig zu gestalten, doch leider ist auch ein solches Leben irgendwann zu Ende. Es verwundert nicht, dass sich immer mehr Menschen auch darüber Gedanken machen, wie man ein solch umweltfreundliches Leben zu einem würdigen und nachhaltigen Abschluss bringen kann.

Auch der Tod ist Teil der Umweltthematik, immerhin stirbt in Deutschland pro Jahr ungefähr 1% der Bevölkerung, also rund 830.000 Menschen. Für ihre Bestattung gibt es bei uns klassischer Weise zwei Wege: die Erdbestattung und die Feuerbestattung. Besonders die Feuerbestattung erhielt in den letzten Jahren eine größere Bedeutung, denn sie ist preiswerter und oft entfällt die langwierige und aufwändige Grabpflege.

Beiden Varianten sind gewisse Umwelt-Risiken gemein. Obwohl ein Mensch bei einer Erdbestattung eigentlich zu rein natürlichen Bestandteilen zerfallen müsste und auch die meisten Krankheitserreger nicht lange im Boden überleben können, besteht die Gefahr, dass Rückstände von Medikamenten und Schwermetallen die Erde belasten und so ins Grundwasser gelangen. Viele Zahnfüllungen bestehen beispielsweise aus Amalgam, also auch aus Quecksilber.

Die Verbrennung benötigt wiederum viel Energie und produziert einiges an CO2. Erst seit 1996 ist es gesetzlich vorgeschrieben die Abgase der Krematorien zu messen. Obwohl moderne Verbrennungsanlagen heute oft mit Filtern ausgestattet sind, lassen sich Schadstoffe immer noch nicht gänzlich vermeiden. In Deutschland gibt es aber schon seit langen recht strenge und weit reichende Regelungen, um die Umweltverträglichkeit des Todes zu gewährleisten. Es wurde festgelegt aus welchen Materialien ein Sarg bzw. eine Urne bestehen bzw. wo ein Verstorbener überhaupt seine Ruhestätte finden darf. Diese ergeben sich schon aus der Trinkwasserverordnung.

bio_urnen_eco_urn_bio_urn_100254

Eine Bio-Urne besteht aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Zucker oder Kartoffelstärke und zerfällt in der Erde zu Humus.

Mit dem Trend zu einem immer nachhaltigeren Lebensstil, hegen viele Menschen den Wunsch auch ihr Ableben noch umweltfreundlicher zu gestalten. Deutsche Bestatter versuchen diesem Wunsch gerecht zu werden und betreiben einige Krematorien mit Ökostrom oder bieten Särge und Urnen an, die biologisch abbaubar sind. Zum neuen Sortiment gehören beispielsweise Vollholz-, Rattan- oder Pappsärge, die mit umweltfreundlichen Lacken verziert worden sind oder statt Metall für die Griffe Leder oder Holz verwenden. Selbst Särge aus nachhaltiger Forstwirtschaft sind zu haben. Urnen bestehen aus Pappe, Holz oder Kartoffelstärke. Blumengebinde sind fair gehandelt. Großgeschrieben wird dabei der Verzicht auf Chemiefasern, Kunststoffe und alles, was die Umwelt belasten könnte.

Die Trauerkultur scheint sich zu wandeln: Neben der Möglichkeit die Asche eines Angehörigen zu einem Diamanten oder Rubin pressen zu lassen, gehören Seebestattungen und Naturbestattungen in Friedwäldern heute zum Basisangebot vieler Bestatter. Statt auf einem Friedhof wird eine Urne am Fuß eines Baumes vergraben, der den Angehörigen dann als Gedenkstätte dient. In einer immer mobiler und flexibler werdenden Gesellschaft ist das insofern ein Vorteil, als dass man sich nicht viele Jahre lang um eine angemessene Grabbepflanzung zu kümmern braucht.

Eine schwedische Biologin ging sogar weiter und hat ein Verfahren entwickelt, dass die ökologischen Schäden durch Verbrennung oder Erdbestattung vermeiden soll. Bei der so genannten Promession werden die sterblichen Überreste tiefgefroren und auf bis zu -196°C abgekühlt, dann durch Schallwellen und Erschütterungen zerbröselt, in einer Vakuum-Kammer getrocknet und anschließend Metallteile und andere Fremdstoffe entfernt. In einem flachen Grab und mit einem biologisch abbaubaren Sarg wäre die Verrottung innerhalb von 6 bis 12 Monaten abgeschlossen. Verwendet man Ökostrom für das Verfahren wäre die Bilanz um einiges besser als bei der Verbrennung. Ob diese Form der Bestattung tatsächlich einmal so normal wird, wie die Feuerbestattung, bleibt fraglich, denn die Promession befindet sich immer noch in der Testphase.

[ id=”W9yfnspwiZk” mode=”thumbnail” align=”center”]

Realität ist allerdings schon ein anderes Verfahren aus den USA: Die Resomation. Auch sie soll eine ökologische und kostengünstige Variante der Bestattung sein. Bei der Resomation oder alkalischen Hydrolyse, ein erprobtes Verfahren aus der Tierkörperbeseitigung, wird der Leichnam durch eine heiße Lauge unter hohen Druck in seine Bestandteile zersetzt. Zurück bleiben nur poröse Knochen, die zur Bioasche zermahlen werden und eine organische Lösung, die angeblich unschädlich ist und sogar als Dünger verwendet werden könnte.

[ id=”hfZOnvcwew4″ mode=”thumbnail” align=”center”]

Auch wenn der eigene Tod noch weitgehend ein Tabu-Thema ist, erscheint es doch sinnvoll sich darüber Gedanken zu machen und dabei das Thema Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht absurd anmutet, ist es sicher nur konsequent auch das Thema Beerdigung nach ökologischen Aspekten zu durchleuchten. Welche Rolle die Promession oder Resomation zukünftig spielen werden, bleibt abzuwarten. Pappsärge und Urnen aus Kartoffelstärke sind aber ohne Frage auf dem Vormarsch – kurzum die Öko-Bestattung beschreibt definitiv einen Trend. Denn eins ist klar, irgendwann spielt der eigene umweltfreundliche Lebensstil keine Rolle mehr. Dann ist man selbst Teil des natürlichen Recycling-Prozesses.

Links im Web:

Weitere Infos zu Promession und Resomation oder unter Promessa
Welt-Artikel
Bestatter mit umweltfreundlichem Angebot

Fotos: © Maria Lanznaster  / pixelio.de, urnengeschäft.de


Mario Stock

Über Mario Stock

Als Politikwissenschaftler liegen mir besonders die Themen Demokratie und Gerechtigkeit am Herzen. Als viel interessierter Bürger betrachte ich mich aber eher als Allrounder mit Hang zum Philosophischen. Der Blog „ImPuls der Zeiten“ soll eine Keimzelle der Zukunft sein, den gesellschaftlichen Dialog fördern und neue Wege gehen. Ich wirke und lebe in Berlin.


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Ein Gedanke zu “Nachhaltig sterben – Die Ökobestattung

  • Anna

    Ich war immer davon ausgegangen, dass eine Erdbestattung die natürlichste Methode ist. Gut zu wissen, dass es da noch andere nachhaltige Alternativen gibt.