Bei Mélanie – Pralinen zum selber machen


Heute war es soweit. Mit Gutscheinen ist das immer so eine Sache – man bekommt sie geschenkt und dann liegen sie meist in irgendeiner Schublade, bis man mal wieder darüber stolpert. Von meinen Kollegen bei der Leipziger Lecos GmbH hatte ich, bevor ich nach Berlin gekommen bin, einen Gutschein erhalten: einen Pralinen-Kurs als Abschiedsgeschenk. Nun, ich bin ein Leckermäulchen und habe große Freude daran allerlei Süßspeisen zu kochen oder zu backen – natürlich auch für meine damaligen Kollegen. Dies muss sie dazu inspiriert haben, mir einen Kurs in der Herstellung kleiner Schokoladen-Sünden zu spendieren. Ich hatte mich damals sehr gefreut, den Kurs aber auf die lange Bank geschoben – erstmal in Berlin ankommen. Mittlerweile fühle ich mich in der Weltmetropole wohl und heimisch – es war also Zeit, den Gutschein auszugraben und endlich Schokolade zu schmelzen.

Confiserie Mélanie

Confiserier Mélanie im Berliner Kultviertel Charlottenburg

 

Als ich heute Morgen, am internationalen Frauentag, von der Sonne wachgekitzelt wurde, war ich voller Vorfreude, machte mir aber auch so meine Gedanken. Werde ich der einzige Mann sein? Gut, ich bin es gewohnt, der Hahn im Korb zu sein. Es ist aber doch immer etwas seltsam. In der Confiserie Mélanie  in Charlottenburg angekommen begrüßt mich ein freundlicher, geräumiger und heller Laden. In den Auslagen finde ich allerhand süße Köstlichkeiten – auch optisch Kunstwerke. Ich fühle mich direkt wohl. Ich bin nicht der erste. Simone und Frank, ich freue mich, nicht der einzige XY-Chromosomen-Mensch zu sein, legen schon ihre Jacken ab und unterhalten sich über Schokolade, was sonst? Frank ist ein Genießer und das sieht man auch. Er wirkt zufrieden und gespannt der Dinge, die uns erwarten. Nun kommen auch Doreen und ihre Tochter Mirja an – Gitta mit ihrem gewinnenden Lächeln, Katrin, Sabrina und Sandra gesellen sich zu uns. Wir sind vollzählig und überpünktlich. Nun kann es losgehen. Sabine Dubenkropp, unsere Lehrerin in der hohen Kunst der Patisserie für die nächsten drei Stunden, begrüßt uns freundlich. Wir sollen sie Sabine nennen. Sie wirkt bescheiden, das muss sie aber nicht, denn vor knapp zwei Wochen hat sie den Vorentscheid der „Cacao Barry World German Chocolate Masters 2014/15”  in Köln gewonnen, an der die talentiertesten Chocolatiers der Welt teilnehmen – in diesem Jahr unter dem Motto „Inspiration aus der Natur“. Mir wird bewusst, dass ich bei einer deutschen Meisterin die Schulbank drücke – ich bin beeindruckt und ein kleines bisschen stolz, allerdings ohne Grund, ich habe ja nichts geleistet.

Wir sitzen in trauter Runde bei Kaffee, Tee und einen kleinen Begrüßungssekt. Die Stimmung ist gelöst und fröhlich. Sabine ist es wichtig, nicht direkt mit dem Pralinenhandwerk zu beginnen. Ihr geht es auch darum, Wissen zu vermitteln und das ist auch gut so, denn sie hat doch viel Interessantes zu berichten. So erhalten wir einen kurzen Abriss durch die Geschichte des Kakaos, erfahren, dass bereits vor 3500 Jahren im heutigen Mexiko die Tolteken und Azteken Xocolatl genossen. Der aztekische Begriff setzt sich zusammen aus den Worten „xoxcoc“, was sauer, herb bzw. würzig bedeutet, und „atl“, was übersetzt „Wasser“ heißt. Die Praline gibt es dagegen erst seit dem 17. Jahrhundert und wurde vom Koch Cesar de Choiseul erfunden und nach seinem Herrn Compte de Plessos-Praslin benannt. Ich erinnere mich spontan an den Earl of Sandwich – ein seltsamer Name. Nach der informativen Einführung wird es etwas praktischer. Die Sektgläser leeren sich und Sabine verkostet mit uns die unterschiedlichsten Schokoladensorten. Angefangen mit süßer weißer über Vollmich- bis zu 100%iger dunkler Schokolade. Sabine weist uns auf die Unterschiede im Geschmack hin und die sind riesig. Wir probieren „Konsum-Schokolade“ ohne Angabe der Region, die wir alle in Tafelform aus dem Supermarkt kennen und Schokolade mit Kakao-Bohnen aus Madagaskar und anderen fernen Regionen. Schnell begreifen wir, was Sabine meint, wenn sie sagt, dass die Rohstoffe das wichtigste sind. Sie legt viel Wert auf Bio und nachhaltige Produkte – gerade bei Schokolade doch kein ganz einfaches Unterfangen. Ihre Beweggründe sind aber weniger moralisch, es ist der Geschmack. Das kann ich im direkten Vergleich sehr gut nachvollziehen. Für ein gutes Produkt braucht man auch gute Rohstoffe – so einfach ist das. Kakaomassen, Kakaobutter, Zucker und ggf. etwas Milchpulver – mehr braucht es nicht. Sabine ist sehr enttäuscht, dass man der „Konsum-Schokolade“ zehn Prozent Fremdfett wie Kokosfett oder Palmöl zumischen darf, ohne es auf der Verpackung deklarieren zu müssen. Daher sucht sie sich ihre Lieferanten penibel aus. Sie ist deutsche Meisterin und weiß, was schmeckt.

Aromen für die Pralinen

Eine Vielzahl von Aromen – die verrücktesten Kombinationen sind möglich

 

Wir erfahren noch einiges über Schokolade und ihre Verarbeitung und wissen nun auch, dass es gute Gründe für ihren Genuss gibt. Sie fördert das „gute“ Cholesterin, schützt das Herz-Kreislauf-System und belebt sowie stimuliert den gesamten Organismus. Dass sie auch Glücksgefühle auslöst, ist uns aber allen bereits bewusst. Nach all der Theorie verrät Sabine uns unser Tagesziel. Wir machen Trüffel – ich bin gespannt. Schnell hängt sich jeder seine Schürze um und wir gehen in die Manufaktur. Dort erläutert Sabine ihr Grundrezept und berät uns in der Zusammenstellung verschiedener Aromen. Sie ist Puristin, für sie ist weniger mehr. Sie hat allerlei exotischer Gewürze, Früchte und Kräuter vorbereitet, die sie uns auch vorstellt – Warenkunde halt. Auch hier gilt, am geschmackvollsten sind natürliche und nachhaltige Lebensmittel. Ich bin zunächst überfordert und kann mich nicht entscheiden, welche Füllung ich zubereiten soll. Dann sehe ich ihn aber da – Rosmarin, mein Lieblingsgewürz.

 

 

Voller Inspiration beginnt jeder Töpfe und Zutaten zusammen zu suchen, kochen Sahne mit Karamell und zwei Prisen Salz, Himbeersirup, Mohn oder was sie sonst noch so finden und mischen das Ganze mit Schokolade. Sabine gibt stets hilfreiche Tipps und zeigt uns den einen oder anderen Trick. Es ist vollbracht. Jeder hat zwei Füllungen für seine ganz individuellen Trüffel zubereitet. Bei mir gibt es Rosmarin-Tonkabohne und Limette-Honig. Wir füllen dünnwandige Schokoladen-Schälchen und beginnen sie zu verzieren. Alle sind vertieft in ihre kleinen Kunstwerke. „Möchte noch jemand etwas Erdbeer-Füllung zum Dekorieren?“ fragt Gitta in die Runde. Katrin bejaht und bietet mir ihre Karamell-Zartbitter-Creme an. Mit ihr tupfe ich kleine Punkte auf meine Pralinen und denke mir „das ist aber hübsch“. Ein paar Tupfer später bin ich fertig und stolz – diesmal gibt es einen Grund dazu. Meine Creme schmeckt vorzüglich. Davon konnte ich mich überzeugen, als ich den Rest aus dem Spritzbeutel gezutschelt habe. Nun verpacke ich meine kleinen Schätze in Frischhaltedosen. Von den 50 Pralinen ist aber leider nur Platz für 48. Ich nasche den Rest. Entzückung schmeichelt mir ein Lächeln auf die Lippen.

 

Zu guter Letzt verteilt Sabine noch Urkunden. Dort steht geschrieben: „Mario Stock hat erfolgreich am Pralinen-Kurs teilgenommen und ½ Kilogramm köstlicher Pralinen selbst hergestellt.“ Als ich das lese, stimme ich zu und nicke. Selbstgemacht ist doch am besten.

Interesse an einem Pralinen-Kurs? Hier gibt es den zum ver- oder selbstbeschenken.

Beitragsbild: Flickr.com – m01229 – Chocolates – CC BY 2.0


Mario Stock

Über Mario Stock

Als Politikwissenschaftler liegen mir besonders die Themen Demokratie und Gerechtigkeit am Herzen. Als viel interessierter Bürger betrachte ich mich aber eher als Allrounder mit Hang zum Philosophischen. Der Blog „ImPuls der Zeiten“ soll eine Keimzelle der Zukunft sein, den gesellschaftlichen Dialog fördern und neue Wege gehen. Ich wirke und lebe in Berlin.


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2 Gedanken zu “Bei Mélanie – Pralinen zum selber machen

  • Andre Theunert

    Hallo Mario,
    an dir ist ja ein “Pralinenmacher” verloren gegangen. Spaß hats gemacht und geschmeckts hat es ja offenbar auch noch.
    Vielleicht solltest du “Food Texte” schreiben, wäre doch ein herrliches Betätigungsfeld. Wenn ich mir vorstelle wie du das nächste mal über die Herstellung einer Schwarzwälder Kirschtorte oder einer Quark Sahnetorte schreiben würdest. Da läuft mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.
    Also ran an die Backwaren und los gehts.
    Bis dahin.

    PS: bei eingabe der E-Mail erscheint im Feld nur der hintere Teil. Der Anfang der E-Mail ist nicht zu sehen.

    • Mario Stock

      Vielen Dank Andre. Gerne schreibe ich dir einen Text über Schwarzwälder-Kirsch – ich dagegen nasche ja lieber als übers Naschen zu lesen :)
      Der Kurs war aber wirklich sehr schön – Danke nochmal für den Gutschein! Das E-Mail-Problem werde ich mal angehen. Vielen Dank für den Hinweis!