Festivalsaison – Nachhaltig Feiern!


„Mann bin ich froh, ich hab’ noch ein Ticket bekommen!“

Solche oder so ähnliche Aussagen lassen sich mit dem nun eingekehrten Frühling des Öfteren vernehmen und zumeist handelt es sich dabei um ein Festivalticket. Ob Rock am Ring, Southside, Hurricane, Wacken und wie sie alle heißen, ob Massenfestival oder kleine Lokalparty-es gibt wohl in unserer Generation kaum eine beliebtere Freizeitbeschäftigung als zum Festivalnomaden zu werden.

Ist ja prinzipiell auch ganz super. Viele neue nette Leute, dem Geschmack entsprechende Bands, durchzechte Nächte, Party, Völlerei und – Müll.

Gerade bei solchen Großveranstaltungen stellt sich die Frage „Wohin mit dem ganzen Müll?“

Machen wir uns nichts vor, wir alle haben zumindest schonmal Bilder davon gesehen. Der größte Teil bleibt liegen und wird nach dem Wochenende von der Müllwalze geplättet und abtransportiert. Unsortiert, versteht sich.

Zwar versuchen die Festivalbetreiber vermehrt, durch das Verteilen von Müllsäcken und die Erhebung von Müllpfand die Abfallflut einzudämmen, aber das ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Klar, gerade auf riesigen Zeltplätzen stehen die Mülleimer nicht an jeder Ecke und gerade mit erhöhtem Pegel spart sich dann doch der Großteil der Festivalbesucher die windschiefe Torkelei zum Mülleimer, der sowieso schon am ersten Abend voll ist.

Dann doch lieber einfach neben das eigene Zelt schmeißen, kann man ja nächstes Mal mitnehmen und Festivalwochenenden sind sowieso Ausnahmen vom Alltag, da kann man sich mal richtig gehen lassen und überhaupt und so..

Aber was ist denn der Müll, der da abtransportiert wird? Pfanddosen. Palettenweise mitgebracht, aber die alle wieder einzusammeln…nee lass stecken. Manch einer entdeckt da einen lukrativen Nebenjob und sammelt auf Festivals säckeweise Dosen. Vielleicht wird man nicht reich davon, aber der Wert des Festivaltickets kommt da bestimmt mal rum.

Was findet man noch so, wenn man über einen verlassenen Festivalplatz läuft?

Essensreste. Keine angebissenen Schnitzel, sondern unangebrochene Toastpackungen, nicht gegessen und liegengelassen, hier und da etwas Obst. Kaputte Zeltstangen, weil es so lustig war, den Kumpel gegen das Nachbarzelt zu schubsen.

Alles Müll, der sich vermeiden lässt. Und zwar ohne großen Aufwand. Und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, die Umwelt durch ein Festivalwochenende nicht noch stärker zu belasten.

Wie?

  1. Mitfahrgelegenheiten/Shuttlebusse/ÖPNV benutzen. Ist nicht nur meistens günstiger und ökologischer, das eigene Auto läuft auch weniger schnell Gefahr, Schaden davonzutragen. Sei es durch Einbruch, eine betrunkene Meute o.ä. Zudem lernt man neue Leute kennen.
  2. Zusammen grillen. Dann reicht ein Feuer und es muss nicht alle zwei Stunden ein neues entfacht bzw. das alte aufrechterhalten werden. Ist doch im Sommer ohnehin viel zu heiß und es kann überdies sehr lustig sein, wenn man auf dem Zeltplatz nach grillenden Menschen Ausschau hält und sie freundlich bittet, sein Essen ebenfalls auf ihrem Grill platzieren zu können. Zudem bleibt weniger Essen übrig weil sich unter den Zeltenden immer jemand findet, der noch ein Schnitzel verdrücken kann.
  3. Wenn wir schon grade beim Grillen sind: einen Veggieabend einlegen. Mal Hand aufs Herz-gesund ernährt man sich auf Festivals nun nicht unbedingt. Aber eine Zucchini und zwei Tomaten haben doch immer Platz und Veggieburger sind auch echt schmal./li>
  4. Auf die Verpackungen achten. Dass es nicht allzu viele Gelegenheiten zur Müllentsorgung auf Festivals gibt, wissen wir inzwischen. Also: Das Brötchen für unterwegs in Papier eintüten, das kann man dann später noch zum Feuermachen nehmen. Grillzeug aus der Verpackung nehmen (möglicherweise noch selbst marinieren-lecker!) und in Brotdosen o.ä. Packen. Hat den Vorteil, dass der Bratling/das Steak tatsächlich auch noch die ihm zugedachte Form beibehält und auch auf dem Festivalgelände selbst kauft man sich ja an den Ständen mal was zu futtern. Wenn man dann vorzeitig satt ist, hat man gleich eine Aufbewahrungsbox dabei.
  5. Mehrwegplastikflaschen. Sind erlaubt, werden aber wiederverwendet und sind demnach ökologischer als palettenweise Dosen. Eignen sich zumindest mal für alkoholfreie Getränke und können vor der Abreise auch wiederbefüllt werden.
  6. Eigenen Plastikbecher aufs Gelände mitnehmen. Auch während des Konzertes hat man Durst, holt sich ein Getränk- und hat dann den Pfandbecher in der Hand. Am Abend liegt der dann zertrampelt irgendwo auf dem Boden. Der lustige grüne Diddlbecher wird nicht nur für Gelächter sorgen, er geht auch nicht so schnell verloren.
  7. Wenn Getränke im Pfandbecher kaufen, dann den Becher aufheben. Und wenn man ihn selbst nicht zurückbringen mag, weil der Weg so weit ist: Die Augen nach Organisationen wie Viva Con Agua aufhalten. Diese fahren mit Tonnen durch die Menge und sammeln Pfandbecher nebst -marke ein. Der Erlös geht dann in Entwicklungsländer und wird dort für die Versorgung mit Trinkwasser genutzt.
  8. Zusammen campen. Ist lustiger, wärmer und spart beim Zeltaufbau. Zudem muss weniger transportiert werden, das Risiko der kaputten Zelte wird verringert und wenn jeder in einem eigenen Zelt schläft ist das doch auch irgendwie langweilig.
  9. Regendusche. Viele Festivals haben die Angelegenheit, dass es mindestens einmal richtig kräftig regnet. Die sanitären Anlagen sind meist spärlich verstreut, immer voll, schnell versifft, das Wasser ist gechlort und man fühlt sich hinterher eher dreckiger als vorher. Also: Auf den Sommerregen hoffen und ihn ausnutzen. Oder in den nahegelegenen Badesee springen, oder, oder, oder.
  10. Singen statt Musik hören. Wir fahren aufs Festival, um Bands zu sehen. Und tagsüber läuft der Automotor, damit wir CDs im Autoradio hören können? Besser: Eine Gitarre einpacken und am Lagerfeuer wild drauflosklampfen. Das macht auch wesentlich mehr Spaß.

Bild: (c) Laila Riedmiller


Laila Riedmiller

Über Laila Riedmiller

Immer mehr Menschen leben vegetarisch oder schränken zumindest ihren Fleischkonsum ein, sie kaufen regional ein und fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das reicht vielleicht noch nicht aus,um das Klima zu retten, doch es ist ein wichtiger Schritt. Je mehr ökologisches Handeln ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, umso eher kann es auch im Bewusstsein der Gesellschaft verankert werden. Ich lebe und studiere in Bonn.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>