Persönlichkeitsbildung als Brücke zwischen Kultureller Bildung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung


Laut dem Kulturpädagogen Wolfgang Zacharias ist die Persönlichkeitsbildung die „Grundlage für zeitgemäße Weltsicht und Erkenntnis” . Um die Gedanken der Nachhaltigkeitsdebatte verstärkt in die Gesellschaft zu transportieren, Unsicherheiten zu thematisieren und ggf. zu einem Neudenken unserer momentanen Verhaltensweisen anzuregen, wird (kulturelle) Bildung also immer wichtiger.

Aufbauend auf den Erkenntnissen des Brundtland-Berichtes zu Umwelt und Entwicklung, der bereits „gestaltungskompetentes Entscheiden und Handeln“ fordert, sowie der Agenda 21, bei der im Kapitel 36 ein eigenes Aktionsprogramm für die Bereiche Bildung, Bewusstseinsbildung und Ausbildung gefordert wurde, bestimmte die Nachfolgekonferenz von Rio (Rio+10) Ende 2002 in Johannesburg Bildung als internationalen Schlüsselkatalysator für Nachhaltige Entwicklung. Der Weltgipfel empfiehlt überdies die Einrichtung der nun auslaufenden Dekade, deren Zielvereinbarung lautet: „…allen Menschen Bildungschancen zu eröffnen, die es ermöglichen, sich Wissen und Werte anzueignen sowie Verhaltensweisen und Lebensstile zu erlernen, die für eine lebenswerte Zukunft und eine positive gesellschaftliche Veränderung erforderlich sind” . Es geht also in einem kontinuierlichen Prozess um die Befähigung zu einem Wandel, der sich nicht auf rein kognitive Vermittlung von Wissen stützt, sondern sich sowohl auf rationaler, auf affektiv-emotionaler wie auf einer handlungsbezogenen Ebene abspielen soll, in Form von didaktisch-methodischer Erkenntnisgewinnung sowie durch Umsetzungskompetenz. Der deutsche Schriftsteller und Sozialwissenschaftler Bernhard von Mutius spricht bei der Überwindung von bloßer summarischer Wissensanhäufung von „anderer Intelligenz“, die befähigen soll, „integrativ, dialektisch und Komplexität reduzierend zu denken” .

Im Jahr 2007 entstand in Deutschland in der Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Kultusministerkonferenz (KMK) ein Orientierungsrahmen für den Lernbereich „Globale Entwicklung“, der einer Definition von menschlicher Entwicklung, die bereits 1997 in einem von der Schweiz geleitetet OECD Projekt (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) als Schlüsselkompetenzen analysiert wurden (DeSeCo ), sehr ähnelt. Unter der Formel: „Erkennen, Bewerten, Handeln“ sollen Menschen zukünftig die Befähigung erlangen, sich leichter in heterogenen Gruppen einzubringen und eigenständiger im Handeln bzw. in der Selbststeuerung sowie besser im Umgang mit (Kommunikations-) Medien zu werden . Alles sowohl im privaten, beruflichen als auch im zivilgesellschaftlichen Bereich. Bildung dient damit vor allem zum Empowerment, zum Erwerb von Emanzipation und Mündigkeit, zur Befähigung, sich Wissen nicht nur anzueignen, sondern auch anzuwenden und kritisch zu bewerten, um sich letztlich „in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen bewegen” zu können . Es geht darum, Zusammenhänge (auch globale bzw. transkulturelle), Prognosen und verschiedene Optionen zu erkennen, um sein eigenes Handeln und seinen Lebensstil beurteilen zu können und nachhaltiges von nicht-nachhaltigem Agieren zu unterscheiden.

Hierbei stellen sich die Fragen, ob die Schule als Lern- und Experimentierort ausreichend ist, wie Lernen enger mit Praxis und Mitwirkung verbunden werden kann, wie man affektiv-emotionale Lernprozesse in die Lehre einbauen könnte, wie die Lehrerausbildung verändert werden müsste und wie sich die Weiterbildungsprogramme finanzieren lassen.

Gemeinsamkeiten der beiden Felder

Vergleicht man die Ziele von BNE zum Beispiel mit dem 2011 herausgegebenen Positionspapier „Mehr Chancen durch Kulturelle Bildung“ der Bundesvereinigung für Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), erkennt man viele Parallelitäten in punkto Persönlichkeitsbildung zu einem reflektierten, handlungsfähigen und innovativ tätigen Menschen. Beide Konzepte zielen auf Partizipation und die Chance zur Mitgestaltung auf den Ebenen lokal, national und international ab.

Laut dem deutschen Kunst- und Kulturpädagogen Wolfgang Zacharias hat „Kulturelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (KBNE) in folgenden Kriterien zudem gleich eine ökologische Dimension: „Akzeptanz von Vielfalt als Qualität, gesunde Umwelten, Ganzheitlichkeit und Komplexität, Vernetzung und Interaktivität zugunsten von Zukunftsfähigkeit“ .

Am Ende der Dekade sind wir in einer Situation, in welcher klar wird, dass die tatsächliche Umsetzung von Nachhaltigkeit momentan nicht an technischer Entwicklung und eindeutigen Forschungsergebnissen, sondern vielmehr an der Reflexion der tatsächlichen Verhaltensweisen scheitert. Es fehlt offensichtlich ein geeignetes Kommunikationsinstrumentarium, das die Thematik in der Gesamtgesellschaft verankert.

Bisher wirkt die Politik dabei durch die Veränderung von Rahmenbedingungen von außen, bewegt aber das Innere des Menschen nicht, was für einen Selbstbezug, die Problemerkenntnis und Handlungsumstellung jedoch maßgeblich ist. Höchste Zeit die Kunst u.a. als Instrumentarium zu nutzen, die kulturelle Bedingtheit des eigenen Handelns deutlich zu machen und Räume zur Selbsttätigkeit zu eröffnen.

Foto: Paul Krüerke


Friederike Menz

Über Friederike Menz

Da ich aus der Kulturpolitik komme, werden meine Schwerpunktthemen der Kulturelle Wandel und die Kulturelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung sein. “Für mich ist Nachhaltigkeit die Kunst für die Zukunft zu handeln.” Ich lebe und wirke derzeit in Ostwestfalen-Lippe.

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